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Inkontinenz – Was tun bei schwachem Beckenboden?

Harninkontinenz

 

Harninkontinenz ist immer noch ein Tabuthema in unserer Gesellschaft, welches die Lebensqualität vieler Menschen extrem einschränkt. In Deutschland sind 25% der Bevölkerung laut offiziellen Angaben von Inkontinenzproblemen betroffen. Da nur ein geringer Teil der Bevölkerung offen mit dem Problem umgeht, könnte die Anzahl der Betroffenen deutlich höher sein.

In den Medien wird häufig von Blasenschwäche gesprochen und für teure Arzneimittel geworben. Meiner Meinung nach ist die Ursache keine Blasenschwäche, sondern eher eine Schwäche der Beckenbodenmuskulatur. Dieser Artikel soll über das Thema aufklären und du erfährst von mir, eines der effektivsten Methoden um dieses Problem anzugehen.

 

Aufgaben und Funktion des Beckenbodens

Der Beckenboden hat drei wichtige Funktionen: anspannen, entspannen sowie das reflektorische Gegenhalten (Reaktion auf eine Druckerhöhung im Bauch). Jeder kennt die Situation, dass man dringend zu Toilette muss und gerade keine in der Nähe ist. Was macht man? Richtig man Spannt an und versucht durch zu halten. Der Beckenboden ist entspannt beim Wasserlassen und beim Stuhlgang. Reflektorisch halten die Beckenbodenmuskeln beim Husten, Niesen, Lachen, Hüpfen, schwere Lasten tragen gegen und verhindern schlimmeres.

Der Beckenboden dient als Stützfunktion für die Unterleibsorgane wie Gebärmutter, Harnblase und Darm sowie für eine aufrechte Haltung. Dadurch wird die untere Wirbelsäule gemeinsam mit dem Zwerchfell, der Bauch- und Rückenmuskulatur stabilisiert.

Für die Frau ist ein trainierter Beckenboden besonders wichtig, damit diese sich auf eine Geburt vorbereiten kann. Muskeln, die trainiert sind, erleichtern die Geburt und schützen vor Verletzungen, was wiederum Folgeschäden reduziert.

Die Beckenbodenmuskulatur ist somit einer der wichtigsten Muskeln im menschlichen Körper mit vielseitigen Aufgaben. Man kann gut nur mit einem Bein, oder einem Arm leben. Ist allerdings der Beckenboden in seiner Funktion gestört, kann dies die Lebensqualität massiv einschränken.

 

Aufbau des Beckenbodens

Der Beckenboden befindet sich an der tiefsten Stelle des Beckens und schließt es nach unten ab. Weiterhin ist er in mehrere Schichten eingeteilt. Er besteht aus Bindegewebe (Faszien), Bändern und Muskeln. Die Beckenbodenmuskulatur ist mit dem knöchernen Becken verbunden: Steißbein, Schambein und die beiden Sitzbeinhöcker.

Die drei verschiedenen Schichten ziehen sich jeweils zwischen dem vorne liegenden Schambein und dem hinten liegenden Steißbein. Auf dieser Schicht lastet das meiste Gewicht durch die Organe.

Die zweite Schicht spannt sich zwischen den Sitzknochen. Diese liegt unterhalb der Blase im vorderen Bereich des Beckens. Die dritte Schicht befindet sich am äußeren Rand, ist aufgebaut wie eine 8 und umgibt die Schließmuskeln des Afters und der Harnröhre.

 

Ursachen der Inkontinenz – Schwache Beckenbodenmuskulatur

Ist die Muskulatur des Beckenbodens geschwächt, kann es zu einer Senkung der Gebärmutter und des gesamten Beckenbodens kommen. Dies führt unteranderen dazu, dass die Organe, die von der Muskulatur gehalten werden ebenfalls absinken. Je nachdem, wie ausgeprägt die Lageveränderungen sind, können solche Senkungen unterschiedlich starke Beschwerden mit sich bringen, wie etwa Schmerzen im Unterbauch oder einer Schließmuskelschwäche (Inkontinenz).

Häufig sind auch Stuhlentleerungsstörungen (Verstopfung -> Obstipation) eine Folgeerscheinung von abgeschwächter Beckenbodenmuskulatur.

Bei Frauen kommt es in den Wechseljahren, zu einem veränderten Hormonhaushalt, wobei die Östrogene die Bänder im Becken lockern. Es kommt zudem zu einer Bindegewebs-schwäche.

Auch kann Übergewicht zu einer Verlagerung des Körperschwerpunktes führen. Die Blase wird von ihrem natürlichen Platz verdrängt, weshalb die Intervalle des Wasserlassens kürzer werden. Ein trainierter Beckenboden kann dies verbessern.

Bei Frauen ist häufig auch nach Schwangerschaften der Beckenboden in Mitleidenschaft gezogen worden. Um eine Absenkung der Organe zu verhindern ist es wichtig, dass die Beckenbodenmuskulatur regelmäßig trainiert wird.

Gynäkologische, urologische oder proktologische Basisuntersuchungen geben Aufschluss darüber, ob es sich um eine Beckenbodenabsenkung handelt.

 

Warum ist es so wichtig den Beckenboden zu trainieren?

  • Das Beckenbodentraining beugt eine Inkontinenz vor oder verbessert diese.
  • Zudem wird die Haltung durch einen gestärkten Beckenboden aufrechter und die Körpermitte ist belastbarer im Alltag.
  • Ein Absinken der Bauch-und Beckenorgane kann verhindert werden
  • Durch hormonellen Veränderungen und der darauf folgenden Bindegewebsschwäche, kann es zu einer Abschwächung des Beckenbodens kommen. Mit Beckenbodentraining kann dem entgegengesteuert werden.
  • Operative Eingriffe können vermieden werden!
  •  Bei Männern ist Beckenbodentraining ebenfalls sinnvoll nach Operationen im Beckenbereich, nach Prostataeingriffen und zusätzlich bei Potenzproblemen.
  • Verbesserung der Atmung. Der Beckenboden hilft der Lunge, die Luft langsam abzugeben, während sich das Zwerchfell beim Ausatmen wieder in Richtung Brusthöhle hebt. Die Muskulatur kann auch das Sprechen und Singen unterstützen.

 

Es gibt natürlich die konventionelle Möglichkeit den Beckenboden zu stärken. Dies ist aber ein sehr langwieriger Prozess und die willentliche Ansteuerung des Beckenbodens, ist nicht für alle Betroffene  einfach um zu setzen. Daher empfehle ich bei Inkontinenzproblemen aufgrund einer abgeschwächten Beckenbodenmuskulatur, das Training mit der EMS-Methode.

 

Was ist EMS-Training?

EMS ist die Abkürzung für elektrische Muskelstimulation. Mithilfe von Stromimpulsen werden gängige Übungen in ihrer Effektivität verstärkt und die Muskulatur zum anspannen gebracht.

Beim konventionellen Beckenbodentraining gibt es spezielle Übungen für den Beckenboden. Diese sind allerdings nicht so wirksam wie ein Training mit Elektromuskelstimulation (EMS). Die Impulse beim EMS-Training dringen in die tiefer gelegenen Muskeln ein. Ohne spezielle Übungen wird die Muskulatur des Beckenbodens automatisch bei jeder Übung mittrainiert. Natürlich kann man den Fokus durch spezielle Übungen auch beim EMS-Training noch mehr auf den Beckenboden lenken. Dazu sollte aber der Personaltrainer eine gewisse Qualifikation und Erfahrung mitbringen.

Ein positiver Nebeneffekt ist der schnellere Aufbau von Muskulatur und Abbau von Körperfett durch eine Vielzahl an mehr verbrannten Kalorien, im Vergleich zum klassischen Training.

 

Effekte mit EMS-Training bei Harninkontinenz nachgewiesen!

In einer Studie der Universität Bayreuth wurden unabhängig vom Ausmaß der Inkontinenz, gute bis sehr gute Effekte nachgewiesen.

  • 49 Teilnehmer wurden mit der EMS-Methode trainiert
  • Training dauerte 6 Wochen, mit 2 Einheiten pro Woche (12 Trainingseinheiten)
  •  Befragung mit einem Inkontinenz-Fragebogen nach GAUDENZ

 

Resultat nach 12 Einheiten EMS-Training:

  • 75,8% gaben eine Reduktion der Beschwerden an
  • 33,3% waren nach 12 Einheiten komplett beschwerdefrei
  • 50,0% gaben eine starke Verbesserung an

 

EMS-Training speziell nach der Schwangerschaft? 

Nach der Schwangerschaft sind meist ein paar Pfunde mehr am Körper als der Frau lieb ist. Das Training mit EMS begünstigt die Gewichtsreduktion und zugleich die Stärkung des Beckenbodens. Ist die Schwangerschaft und die Geburt ohne Komplikationen verlaufen, kann direkt nach den Bettwochen, meistens 6-10 Wochen nach der Geburt, mit dem EMS-Training gestartet werden. Trotzdem sollte der Frauenarzt sein Einverständnis geben, da es individuelle Unterschiede im Heilungsprozess gibt.

Der Beckenboden kann mit aktiven oder passiven Übungen trainiert werden. Da der Impuls bis in tiefer gelegene Muskeln trifft, wird der Beckenboden bei jedem Training gestärkt.

Aufgrund der fehlenden Muskulatur kann die Frau gerade nach einer Schwangerschaft an einer Harn-Inkontinenz leiden. Dies kann man durch das EMS-Training schnell und effektiv beheben.

Erfahrungen haben gezeigt, dass durch EMS-Training auch die Rückbildung der Rektusdiastase (Bauchspalte) begünstigt wird.

 

 



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